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Mein erstes eigenes Zimmer außerhalb von Rostock

06.09.2013: Früh aufstehen war auch heute wieder angesagt. Das fiel allerdings wider Erwarten nicht so leicht, denn gen Erwarten haben wir uns doch innerhalb von einer Woche sehr gut in den spanischen Tagesrhythmus eingefügt. Das heißt, spät aufstehen, weil man lange in der Stadt sitzt und einige Bierchen zischt und Tapas zu sich nimmt. Da die Tapas doch häufig nicht billig sind, bleibt es ganz studentisch beim Bierchen. Da ja nun alle an diesem Tag ihr Hostel verließen, wurde der Vorabend noch ein bisschen länger. Nicht zuletzt, weil nach einer von der Uni veranstalteten Begrüßung mit Bier und ordentlich Futtereien für lau (kein Bier ist ja bekanntlich umsonst) eine kleine Stadttour für die Erasmus-Studenten folgte. Inbegriffen darin war ein typisches galizisches Ritual gegen böse Hexen und Geister und wie kann man böse Hexen und Geister vertreieben? Richtig mit Hochprozentigem, folkloristischen Trachten und folkloristischer Musik. Alles in Allem eine sehr schöne Veranstaltung, die auch bei den meisten gewirkt hat (denn soweit bekannt erhielten alle spätestens am Folgetag ein Zimmer). Drei Bier später und wahrscheinlich nun wirklich nicht mehr besessen, außer von dem dringenden Bedürfnis ins Bett zu fallen, machten sich alle zur letzten Nacht ins Hostel auf.

Am 06.09. endete dann die Nacht halt recht früh, weil ich mich für um 11 Uhr in der neuen Wohnung angekündigt hatte. So packte ich meine Sachen bezahlte und stellte mich an die Bushaltestelle, in der Annahme, dass der Bus (fährt um die Zeit alle halbe Stunde) mir einen zwar nicht langen, dafür aber umso hügeligeren Weg ersparrt. So war es dann auch, denn irgendwann kam er dann auch (der Busfahrplan scheint hier eher eine grobe Richtlinie, als ein einzuhaltender Plan zu sein) und brachte mich holpernd den Berg zu der neuen Bleibe hinauf. Fast wäre mir der gleiche Spaß wie am ersten Tag passiert, denn die Busse verfügen immer noch nicht über eine Stationsanzeige und ich bin pessimistisch, dass sich das im kommenden halben Jahr ändern wird. 

In der Wohnung angekommen packte ich als erstes meine Sachen aus, quatschte noch kurz mit dem Vermieter und machte mich auf den Weg mich in meine Uni-Kurse einzuschreiben. Das läuft hier über ein Büro und scheint zu funktionieren (in Rostock hätte das Prinzip wahrscheinlich schon nach drei Tagen die Arbeitsunfähigkeit von vier Studentensekretariatsmitarbeiter_Innen wegen Burn-Out-Syndrom nach sich gezogen). Aber wie Phillip nun einmal so ist, quält er sich seinen Felsen runter, sucht den ganzen Campus ab, nur festzustellen, dass er eine halbe Stunde zuspät ist. Also wieder die 60 Höhenmeter zurück. Nach dem Lesen einiger Mails dann die typische Frage nach Bier und Tapas in der Stadt. Dafür nimmt man auch gerne mal eine halbe Stunde Fußmarsch in Kauf. Nimmste vielleicht ein bisschen ab denk ich mir da immer und wander fröhlig durch die Stadt, während alle anderen nur 5 Minuten ohne Berge brauchen (dafür aber auch ohne Kalorienverlust und in einem wesentlich lauteren Umfeld).

 

07.09.2013: Heute stand der lange geplante Ausflug zu den Islas Cíes auf dem Plan. Abfahrt war um kurz vor Neun am anderen Ende der Altstadt, was für mich bedeutete, dass ich so gegen Acht in meiner Wohnung losging. Nebenbei das erste Mal hier, dass ich im Dunkeln aufgestanden bin. Im Bus ging es dann auf nach Vigo, von wo aus uns eine Fähre zu der Insel brachte. Dort angekommen überkam einen gleich ein gewisses Karibikfeeling, genau wie ein gewisser Blasendrang. Also rauf aufs Klo und kurz vor der Erlösung der Schreck. Mann konnte von der Tür zum Herrenbereich den durch Spiegeln herrlich einsehbaren Pissoir-Bereich bewundern. Nachdem es doch noch zu einer Erleichterung kam, ging es auf den inseleigenen Berg zu besteigen. Das war eine Erfahrung, die zumindest ein bisschen an die Vulkanbesteigung in Guatemala erinnerte. Sicherlich hätte man auch gleich an den Strand gehen können aber den gibt es auch in Rostock, so einen hohen Berg nicht also rauf da (verschiedene Fotos belegen übrigens, dass ich es auch geschafft hab). Vier Stunden später nach dem Abstieg ging es dann doch noch an den Strand um mit entsetzen festzustellen, dass der Atlantik doch schon recht kalt war. Aber egal, wann badet man schonmal in ihm. Getreu dem Motto Augen zu und durch hielten wir es auch knapp eine Viertelstunde aus. Nach der Rückfahrt mit der Fähre (wie auch sonst) sowie dem Bus überkam uns alle der große-kleine Hunger und wir machten uns noch einmal daran unsere letzten verbliebenen Kräfte auf die Suche nach einer Futterquelle zu fokussieren. Dabei kam eine Kneipe mit annehmbaren Preisen raus, die durchaus Potential hat. Danach wieder halbstündiger Heimweg. Diesmal bergauf und durch ein Stadtteilfest (was hier wohl einmal in der Woche in irgendeinem Stadtteil ist) kam ich dann in der Bude an und ja jetzt heißt es nur noch schlafen und Morgen gar nichts machen.

¡Por esto buenas noches!

8.9.13 01:35

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